Abgeerntete Weinberge im Ahrtal

„Eigentlich“ wollte ich „nur“ in einem Spezialitäten-Laden einen besonderen Wein als Geschenk kaufen. Doch nach Bad Neuenahr / Ahrweiler fahren und keine Kamera mitnehmen, das geht gar nicht. Was aber  (mit)geht, ist ein kleines Stativ. Und so stehe ich oberhalb von Ahrweiler auf dem Rotweinwanderweg und fotografiere die abgeernteten Weinberge, den morgendlichen Dunst zwischen den Hängen und – natürlich – die Ahrtalbrücke.

Wenn ich den Polfilter einsetze und auch eine kleine Blendenöffnung wähle, brauche ich das Stativ tatsächlich. Ein älterer Herr kommt den Berg hoch geradelt und entschuldigt sich, weil er mir durchs Bild fährt. „Ich hab‘ Zeit,“ entgegne ich gelassen,  „ich warte, bis Sie vorbei sind.“ – Ich halte inne. Wann habe ich zum letzten Mal diesen Satz gehört?

Ein stattlicher Mäusebussard zieht seine Kreise über den Weinbergen. Dann setzt er sich auf einen Zaunpfahl und beobachtet mich aufmerksam. Da ich gerade mein Teleobjektiv aufgesetzt habe, nehme ich die Gelegenheit wahr, ihn in aller Ruhe zu porträtieren.

Foto Elke Glatzer: Bussard auf Zaunpfahl

Bussard auf Zaunpfahl (300mm; ISO 400, F 7.1, Zeit: 1/1600 sec)

Auch ohne Vogel haben die Weinstöcke und Zäune ihren graphischen Reiz, dazu der überirdisch blaue Himmel (ohne Polfilter diesmal!)  Glatzer_Weinberg_0603-002klein

(55mm; ISO 110, F 11, Zeit: 1/125 sec; Stativ)

In Bad Neuenahr möchte ich ein Foto wiederholen, das ich vor drei Jahren mit einer anderen Kamera – mit geringerer Auflösung – aufgenommen habe. Die Spiegelung eines roten Hauses mit weißen Balkonen in der Ahr faszinierten mich – und jetzt stehe ich vor dem Haus mit dem Fluß davor – und alles ist anders: die Fließgeschwindigkeit der Ahr, der Wasserstand, der Schatten, die Spiegelung. „Man steigt nicht zweimal in denselben Fluß,“ sagt ein Sprichwort, und das ist tatsächlich so, der Fluß ist jeden Tag ein anderer, ob man nun hineinsteigt oder nur davor steht. Glatzer-Test_0825   (55mm, ISO 100, F 36, Zeit: 1/10 sec)

(8./10.12.)