Das alte Kraftwerk in Heimbach

Das alte Kraftwerk in Heimbach
Das alte Krafwerk in Heimbach

Das Angebot, am Wochenende mit dem Abo-Ticket des VRS ohne Zusatzkosten in NRW zu fahren, muss man doch ausnutzen! Und so fuhr ich an einem Sonntag im Juli mit dem RE9 bis Düren und weiter mit dem RB219 bis nach Heimbach in der Eifel. Das Ziel meiner Wanderung war das alte Kraftwerk in Heimbach, ein Bau aus der Jugendstilzeit. Und: Ich hatte mir einen neuen Hut mit breiter Krempe gekauft, den ich einfach brauchte: als Sonnenschutz und auch als Schutz vor den lästigen Zecken. Also mußte der Hut auf Gebrauchstüchtigkeit geprüft werden. Die Fahrt war angenehm. Auf den letzten Kilometern gab der Blick aus dem Zug immer wieder schöne Fotomotive zwischen Fluß und Felsen.

Die Rur bei Obermaubach; Bootsanleger mit bunten Booten.

Die Rur bei Obermaubach

Blick aus dem Zugfenster: Felsen in der Nähe von Nideggen

Felsen in der Nähe von Nideggen

An der Endstation war dann gleich das TouristInfoBüro. Dort konnte ich eine ordentliche Toilette benutzen – die war allerdings im Keller und nur durch Treppenstufen erreichbar – und es gab auch Desinfektionsmittel. Ich erkundigte mich nach den Öffnungszeiten, damit ich das ausgewählte Honigglas nicht die ganze Zeit im Rucksack tragen musste. Dann zog ich los. Dass ich den Zitronenfalter nirgends so nah wie auf dem Parkplatz in der Ortsmitte sehen und fotografieren würde, hat mir zuvor auch niemand gesagt.

Gelber Zitronenfalter auf lila Verbene

Zitronenfalter auf Verbene

Aus dem Grünen Hang blicken Burg Hengebach und - links daneben - die St. Clemens-Kirche von Heimbach

Burg Hengebach und – links daneben – die St. Clemens-Kirche von Heimbach

Durch die vielen Motorräder war es besonders laut auf der Durchgangsstraße. Ich entschied mich daher für den Weg über den Berg, überquerte alsbald die Rur und sah die Burg Hengebach am Berghang nur aus der Ferne. Der Wanderweg war recht schmal, deswegen benutzten ihn auch nur wenige Fußgänger. Nach wenigen Metern lag eine entwurzelte Eiche quer auf dem Weg und ich musste über sie hinweg klettern.

Da saß ich rittlings auf dem mächtigen Eichenstamm.

Da saß ich rittlings auf dem mächtigen Eichenstamm.

Der Weg führte an Streuobstwiesen, vereinzelten Kunstwerken und einigen Ferienhäusern vorbei und mündete dann in der Nähe eines Bootsverleihs am Rurstausee auf dem ringsum verlaufendem Wanderpfad. Ich bemerkte viele braune Nadelbäume am Berghang. Obwohl das Gewässer weniger als einen Kilometer entfernt war und sie an den Nordhängen mehr Schatten erhielten, hatten Dürre und vor allem Borkenkäfer den Fichten sehr zugesetzt.

Eine Holzskulptur am Wegrand

Eine Holzskulptur am Wegrand

Am Bootsverleih flattern die belgische und deutsche Fahne fröhlich im Wind.

Am Bootsverleih flattern die belgische und deutsche Fahne fröhlich im Wind.

Abgesehen von Hundegebell und einem handwerkernden Menschen an seinem Wochenendhaus war es hier weitaus ruhiger, die Motorradroute führte vom See weg. Wilde Kirschen reiften hier und da am Ufer, Kanuten und Tretbootfahrer zogen auf dem Wasser vorbei. An einigen Stellen drängten sich die Felsen dicht an den Wanderweg.

Ein Zweig mit roten und schwarzen Vogelkirschen hängt über dem Ufer.

Die roten und schwarzen Vogelkirschen hingen unerreichbar über dem Ufer.

Kanufahrer auf der Rur

Kanufahrer auf der Rur

Felsiger Weg zwischen Ufer und Felsblock

An einigen wenigen Stellen war der Weg zwischen Ufer und Felsen recht schmal.

Wenn mal gerade keine Wanderer vorbei kamen, sonnten sich Eidechsen  auf den Holzbohlen des Weges. Ich konnte eine sogar mit dem 50mm-Normalobjektiv fotografieren, so nah kamen sie heran. Farbenprächtige Blüten schmückten die Wegränder. Der blaue Eisenhut präsentierte seine kleinen Helme.

Eidechse aus Holzbalken

Eidechse auf Holzbalken

Kurz bevor ich mein Wanderziel erreichte, holte ich mir noch ein Eis am Büdchen vor dem Campingplatz. Und dann erreichte ich das Kraftwerk, das 1904 gebaut und 1905 in Betrieb genommen wurde. Es war damals das größte Wasserkraftwerk Europas. Seit einigen Jahren finden dort im Juni klassische Konzerte unter dem Motto „Spannungen“ statt – in diesem Jahr, wegen Corona, leider nicht.

Einfahrt zum Campingplatz. Die braunen Fichten am Berghang dahinter sind schon sehr auffällig.

Einfahrt zum Campingplatz. Die braunen Fichten am Berghang dahinter sind schon sehr auffällig.

Das alte Kraftwerk in Heimbach

Das Jugendstil-Kraftwerk in Heimbach

Tür mit dekorativen Türgriffen.

Tür mit dekorativen Türgriffen. Das Bauwerk steht unter Denkmalschutz.

Für den Rückweg zur Bahnstation hatte ich mir eine Route über den nächsten Berg ausgedacht, aber die Streckenführung war geändert worden. Nachdem ich einem Imker bei der Arbeit aus sicherer Entfernung zugeschaut hatte, mußte ich bis kurz vor die Straße über den Staudam bei Schwammenauel laufen. Interessant war es schon, weitere Gebäude der Energieversorgungsanlagen zu sehen und auch eine Felswand mit einer geologischen Falte. Allerdings hatte ich Zeit verloren, und ich wollte doch noch vor 17 Uhr wieder am Startpunkt ankommen, um ein Glas Honig zu kaufen!

Über schattige Wanderpfade, an Quellen und einem gemauerten Brunnen vorbei, gelangte ich in den Ortsteil Hasenfeld. Danach folgte ich nur noch den vielbefahrenen Landstraße, und schaffte es auch noch, ein Glas „Frühtrachthonig“ aus Nideggen zu kaufen.

Fazit dieser Tour? Da kann man noch so überlegt planen – etwas zusätzliche Zeit sollte man einkalkulieren.    Und wie ehrerbietig mich die Leute gegrüßt haben! Das muß wohl an dem neuen Hut liegen. Viele haben mich wohl für eine Rangerin gehalten. Der Hut war also ein Erfolg, und im Zug konnte ich ihn problemlos in den Rucksack stecken.

Das bin ich mit dem neuen Hut.

Der neue Hut hat den Test auf Praxistauglichkeit bestanden.

Im Zug konnte ich mich nun ganz entspannt zurücklehnen – halt, nicht ganz! Die Rur im Abendlicht, die vorbei flitschenen Bäume, selbst das Altpapierlager einer Fabrik waren immer noch faszinierende Motive.

Und da, die schöne Eiche in der Flussaue in der Nähe von Zerkall, die war auf der Karte sogar als Naturdenkmal eingetragen – die muss ich mir doch eines Tages von Nahem ansehen!

Eine Eiche ganz allein auf einer großen Wiese

Die Eiche auf der Au müßte ohne die Stromleitungsdrähte doch viel imposanter aussehen.