Rund um Dahlem

 

Die schönste Linde von Dahlem

Die schönste Linde von Dahlem; Foto: Elke Glatzer

Wie wichtig es ist, eine geplante Tour nochmal selbst zu laufen, bevor man Kursteilnehmerinnen mitnimmt, habe ich bei der Exkursion rund um Dahlem gemerkt. Mit Komoot lassen sich ja schöne Wegstrecken planen. Was aber, wenn der Weg einfach zugewachsen ist? Dann muss eben umdisponiert werden, auch wenn mein Navi im Ohr sagt „Du hast die Tour verlassen – die Tour liegt hinter dir in neunzig Metern“ oder so ähnlich. An zwei Stellen in Dahlem ist mir das passiert. Deswegen ist es gut, die Karte gut zu kennen, um rasch  den Plan zu ändern. Und schließlich wurde ich mit neuen Bildern  und Erkenntnissen belohnt.

Sommerliche Skyline von Dahlem

Sommerliche Skyline von Dahlem; Foto: Elke Glatzer

Linde zwischen Dahlem und Schmidtheim im Schnee

Linde zwischen Dahlem und Schmidtheim, Aufnahme Februar 2018, Fisheye-Objektiv; Foto: Elke Glatzer

Zwischen Schmidtheim und Dahlem steht eine Linde auf freiem Feld, man kann sie von der Bahnlinie Köln-Trier aus gut sehen. Ihren herrlichen Wuchs und ihre filigranen Zweige kann man im Winter bewundern, und so bin ich im Februar zweimal durch den Schnee gestapft, um das Traumfoto „Linde im Schnee“ zu schießen. Fehlte jetzt noch das Sommerfoto in voller goldener Blüte, von Bienen umschwärmt. Aber – die Blütezeit war Ende Juni schon vorbei und kleine grüne Samenkugeln hingen zwischen den Blättern, die zudem von Insekten stark zerfressen waren. Erste Erkenntnis: Es handelt sich um eine Sommerlinde, die in der ersten Junihälfte blüht, und zweitens: So ein Prachtbaum ernährt auch die Käfer und Raupen, ohne Schaden zu nehmen.

In der Verlängerung der Startbahn wurde die Vegetation kurz gehalten; Foto: Elke Glatzer

In der Verlängerung der Startbahn wurde die Vegetation kurz gehalten; Foto: Elke Glatzer

Zum Flugplatz „Dahlemer Binz“ ist es nicht weit, aber der Wanderweg parallel zur Landstraße war so zugewachsen, dass ich doch auf der mäßig frequentierten Straße laufen mußte. Dann bog ich rechts zum Flugplatz ab und lief ein Stück den Zaun entlang. Um den freien Blick nicht zu behindern, war in der Verlängerung der Startbahn die Vegetation kurz gemäht worden. Dort hatte sich ein Paradies für Schmetterlinge und Hummeln entwickelt, und ohne viel Mühen konnte ich die bunten Farben des Sommers einfangen.

Scheckenfalter auf rotem Klee,

Ein Scheckenfalter auf rotem Klee, Foto: Elke Glatzer

Der Sommer hat einen wundervollen Klang, den ich hier nur beschreiben kann: Vergleicht man die Insektenschar mit einem Orchester, dann sind Bienen und Hummeln die Violinen und Bratschen. Aber dann kam ein Cello vorbei! So ein warmer, tiefer Klang! Das große, gelbe Insekt kam auf mich zugeflogen und drehte einen Meter vor mir ab. Eine Hornisse! Schade nur, dass meine Kamera nicht in einer Zehntelsekunde startklar war, leider kein Foto! In diese musikalische Hornisse war ich sogleich verliebt – und weg war sie.

Die schönste Linde von Dahlem; Foto: Elke Glatzer

Der schönste Fingerhut von  Dahlem; Foto: Elke Glatzer

Westwallbunker auf der Dahlemer Binz, Foto: Elke Glatzer

Westwallbunker auf der Dahlemer Binz, Foto: Elke Glatzer

Auf der Karte war ganz in der Nähe ein Westwallbunker eingezeichnet, den wollte ich mir als nächstes ansehen. Das eingezäunte Areal wirkte sehr gepflegt. Im Rahmen von Führungen kann es besichtigt werden. Aber auch durch die Infotafeln in der Nähe wird man schlauer. Wie eine Flak-Stellung aussah und wie sie funktionierte, wußte ich zuvor auch nicht. Aber jetzt konnte ich sie besichtigen und fotografieren. So nah an der belgischen Grenze findet man in Wiesen und lichten Wäldchen Panzersperren aus Beton, die zum Westwall gehören. Wieviele Menschen waren mit dem Bau beschäftigt! Wieviel Baumaterial wurde da – im wahrsten Sinne des Wortes – in den Sand gesetzt! Und – alles vergeblich, denn der Westwall wurde vor Ende des Krieges nicht fertig. Mir wurde klar, dass der viel für Freizeit und Hobby genutzte Flugplatz „Dahlemer Binz“ eine militärische Vorgeschichte hat.

Eingang zur Flak-Stellung

Eingang zur Flak-Stellung

Flak-Stellung auf der Dahlemer Binz, Foto: Elke Glatzer

Flak-Stellung auf der Dahlemer Binz, Foto: Elke Glatzer

 

Panzersperre aus Beton in der Blumenwiese

Sag mir, wo die Blumen sind…
Sag mir, wo die Männer sind …..
Panzersperren versteckt im hohen Gras

Panzersperren im Eichenwäldchen

Und auch hier, in diesem lieblichen Eichenwäldchen: Panzersperren. Foto: Elke Glatzer

An den Flughafengebäuden und der Gaststätte ging ich vorbei, überquerte die Landstraße an der Kartbahn, die wochentags außerhalb der Ferien nur so in der Sonne döste, und lief zwischen Wiesen nach Süden. An einer Feldwegkreuzung packte ich mein Butterbrot aus und setzte mich, da weit und breit keine Bank war, aufs Gras. Kauend betrachtete ich die Schmetterlinge, die um die Brennesseln und Blüten herumflatterten, die Kühe auf der übernächsten Wiese und die Sportflugzeuge, die blubbernd gen Osten in den Himmel stiegen und dann ein, zwei Runden drehten.

Ich wäre auch noch eine Viertelstunde länger sitzen geblieben und hätte den mittäglichen Frieden und den Gesang der Lerchen genossen, wenn nicht ein Rascheln mich aufgeschreckt hätte. Ich dachte sofort an den Bauern oder Förster, der mal nach dem Rechten sehen wollte – und der mir nicht über die ausgestreckten Beine fahren sollte! Aber kein Fahrzeug kam. Da raschelte es wieder, und eine Frauenstimme kreischte – über mir!

Ein Dutzend Gleitschirmflieger war auf dem Weg zur Erde, und das Rascheln kam von den Gleitschirmen, die sich entfalteten und aufplusterten. Es hörte sich an, als ob jemand einen nassen Regenschirm ausschüttelt, aber lauter.

Mein Jagdfieber erwachte. Eine halbe Minute hatte ich Zeit, das Objektiv an der Kamera zu wechseln, dann waren die Sportler tief genug, um sie mit dem Teleobjektiv zu erfassen. In Schraubenlinien schwebten sie auf die nächste Wiese zu. Mein Standort war ideal, um sie während der Landung zu fotografieren – fast wie bei der „Wildschweinjagd“ in der Jahrmarkt-Schießbude. Alle landeten präzise, falteten ihre Schirme wieder zusammen, und zehn Minuten später waren sie Richtung Flugplatz verschwunden.

Ich wanderte weiter, wollte die Abtei Maria Frieden sehen – aber der Wanderweg war mit Brombeeren und Weidenröschen so zugewachsen, dass kein Durchkommen war. So lief ich über der kürzlich gemähten Feldweg, der eher einem Stoppelfeld glich, weiter nach Süden.

Weidenröschen

Dieses Weidenröschen blockierte nebst Brombeeren einen geplanten Wanderweg. Foto: Elke Glatzer

So etwa dreihundert Meter vor dem nächsten asphaltierten Weg war nicht weiter gemäht worden, und ich kämpfte mich durch hüfthohes Gras der nächsten Wegkreuzung zu, was die halbwüchsigen Rinder auf der Weide nebenan sicher sehr belustigt hat. Glücklicherweise war der Stacheldraht intakt.

Ich hatte genug von unbefestigten Wegen und beschloss, das Kloster an einem anderen Tag zu besichtigen. In der Nähe eines Umspannwerks führte eine Straße unter der B51 hindurch –

und schon wechselte das Landschaftsbild von der großzügig aufgeteilten Weidelandschaft zur Vorortbesiedlung eines Eifelstädtchens. Der Wegweiser zeigte mir nicht nur, aber auch, den Weg zum Bahnhof.

   

Und nächstes Mal nehme ich mir auch die Zeit, in dem gemütlichen Café unten im Ort ein Stück Kuchen zu essen.