Wanderung zum „Schwarzen Baum“ von Mechernich

Die Schwarzkiefer am Straßenrand
Die Schwarzkiefer, Pinus nigra, am Straßenrand

Vor sechs Jahren entdeckte ich den „Schwarzen Baum“ von Mechernich. Jetzt, im August 2020 wollte ich nachsehen, ob es ihn überhaupt noch gibt. Vorher erkundete ich erst noch den Wald nordwestlich vom Bahnhof, auch im Hinblick auf künftige Routen bei Fotoexkursionen. Der gut gehbare Pfad schlängelte sich durch einen dichten Mischwald. Die Sonne warf helle Lichtkringel auf den Boden. Allerdings hatten Andere schon zuvor Einwickelpapierchen und anderen Unrat auf den Boden geworfen. So still es am hellen Sommertag war, so laut muss es wohl am Abend zuvor dort gewesen sein. Doch keine so nette Gegend!

Ein schmaler Weg im dichten Mischwald

Der Weg führt durch einen dichten Mischwald.

Erkundungstour westlich von Mechernich

Und dann endete der Weg kurz vor der nächsten Fahrstraße im Gestrüpp. An einer lichten Stelle konnte ich den asphaltierten Fuß- und Radweg erreichen. Diesem Weg folgte ich bis zur langgezogenen Kurve. In der Biegung, auf der anderen Straßenseite, das Mechernicher Krematorium. Ein gepflegter Bau mit drei glänzenden Schornsteinen und ebenso gepflegtem Grünzeug davor. Kein Rauch stieg auf, aber bildete ich mir den seltsamen Geruch denn nur ein? Oder irritierten mich die Fahrzeuge, in die jeweils ein Sarg gepasst hätte? Ach, die Fantasie……

Ein Gebäude mit drei Schornsteinen, von Bäumen umgeben. Auf dem Parkplatz davor ein Van und ein Kombi.

Das Krematorium von Mechernich am Wegrand.

Ich schlug den Wanderweg rechts ein, der sich zum Griesberg hochschraubte. Die Gegend wird auch Altusknipp genannt. Wenn kein Auto über die L 477 fuhr, war es bedrückend still. Nur zwei Hornissen suchten dicht über den Brombeerblättern nach Beute. Die Bergkuppe war dicht mit Kiefern bewachsen. Die Wurzeln bildeten natürliche Trittstufen. Kurz vor dem Gipfel war ich doch froh, die Walkingstöcke mitgenommen zu haben.

Dicht stehen die Kiefern am Berghang

Dicht stehen die Kiefern am Berghang

Weg durch den Kiefernwald, kurz vor dem Gipfel

Kurz vor dem Gipfel

Endlich, das Gipfelplateau erreicht! Ein trocken-sandiger Platz mit einem schlichten Kreuz. In der Hitze fühlen sich auf dem Boden nur die Blauflügeligen Ödlandschrecken wohl, wie ich sie letztes Jahr am Rodderberg kennengelernt habe.

Die Blauflügelige Ödlandschrecke liebt warme, sandige Böden

Zeit für eine kleine Trinkpause. Der Rundblick über die waldreichen Täler von Urft und Bleibach hat die Mühen des Aufstiegs gelohnt. Eine Panoramaaufnahme ist hier einfach ein MUSS.

Panorama, Blickrichtung Süden

Panorama, Blick vom Griesberg Richtung Süden

Schaut man vom Rand des Plateaus herunter, fallen die zahlreichen Mulden in der Oberfläche auf. Hier in der Gegend von Mechernich wurde schon im Mittelalter Bergbau betrieben. Die erzhaltigen Gänge wurden von der Erdoberfläche aus geöffnet und nur soweit voran getrieben, wie man sie noch abstützen konnte. Die dabei entstandenen Gruben nennt man „Pingen“.  Im Juni 2017 brannte der Wald auf der Anhöhe. Die Spuren dieses Brands sind immer noch sichtbar. Die Zeitungsberichte darüber findet man im Internet, beispielsweise hier.

Die früheren Bergbaugruben sind auch heute noch in Gipfelnähe sichtbar

Die früheren Bergbaugruben sind auch heute noch im Altusknipp und angrenzendem Wald sichtbar

Hier und da keimen wieder junge Kiefern und bringen frisches Grün auf den Berg.

Hier und da keimen wieder junge Kiefern und bringen frisches Grün auf den Berg.

In östlicher Richtung ging es nun weiter bis zur Barbarakapelle, einer gepflegten Anlage am Rande der Siedlung. Barbara ist die Schutzheilige der Bergleute. Auch der verunglückten Arbeiter im Bergbau wurde gedacht.

Barbarakapelle in Mechernich

Barbarakapelle in Mechernich

Erzkarren an der Barbarakapelle

Erzkarren an der Barbarakapelle

Auch hier gab es einen wunder schönen Panoramablick, diesmal nach Norden über die Zülpicher Börde hinweg bis zur Ville.

Panoramablick über die Zülpicher Börde hinweg

Von der Barbarakapelle aus hat man den schönsten Panoramablick über die Zülpicher Börde hinweg

Bis zum „Schwarzen Baum“ war es jetzt nicht mehr weit. Wie erwartet, war die Siedlung durch den Bau etlicher Eigenheime inzwischen erweitert worden. Die Hausgärten waren erst vor kurzem angelegt worden – ich würde sie größtenteils als mickrig bezeichnen. In einem Garten allerdings entfalteten die raschwüchsigen Buddleia-Sträucher ein Buffet für Schmetterlinge und Bienen. Hier hätte ich doch ein Teleobjektiv gebrauchen können. So versuchte ich mein Glück mit dem 50mm-Normalobjektiv und nahm anschließend Ausschnittvergrößerungen.

Ein Distelfalter auf Buddleia

Ein Distelfalter auf Buddleia

Das Taubenschwänzchen war nicht leicht mit der Kamera einzufangen.

Das Taubenschwänzchen war nicht leicht mit der Kamera einzufangen.

Der Schwarze Baum

Dann erreichte ich die Straße „Zum Schwarzen Baum“ – und der Baum, eine Schwarzkiefer „Pinus nigra“, war tatsächlich noch da! Das ist gar nicht so selbstverständlich, denn als ich im November 2014 erstmals hierhin kam, stand der Baum inmitten einer Baustelle. Ein gutes Jahr später war der Schaden, den er dabei erlitten hatte, offensichtlich. Jemand hatte zudem verucht, ihn abzusägen, die Tat aber nicht vollendet. Die Bilder aus den Jahren 2014 und 2015 habe ich aus meinem Archiv geholt:

Die Schwarzkiefer in der Baustelle

Die Schwarzkiefer in der Baustelle, 1. November 2014

Schwarzkiefer aus anderer Perspektive

Aus anderer Perspektive, November 2014

In der Abenddämmerung wirkt der Baum düster, Dezember 2015

In der Abenddämmerung wirkt der Baum düster, Dezember 2015

Aufnahme August 2020, gleiche Blickrichtung wie 2015

Aufnahme August 2020, gleiche Blickrichtung wie 2015

Vergleicht man die Bilder aus den Jahren 2015 und 2020 miteinander, sieht man, dass der Baum „geputzt“, irgendwie gezähmt wirkt. Der Ast, der vom Betrachter weg zeigte, wurde entfernt. Die Krone wirkt nicht mehr so ausladend. Ich erinnere mich, dass ich im Dezember 2015 ein Stativ dabei hatte und es recht windig war. Auf einigen Aufnahmen waren die Zweige etwas verwischt wegen der längeren Belichtungszeit. Dennoch ist das Bild von 2015 mein Liebling: der Blick kann noch frei über die Landschaft schweifen. Die Lichter des Dörfchens Kommern blinken in der Ferne. Der ziegelrote Erdboden gibt mit den violetten Regenwolken der Landschaft eine besondere Farbstimmung.

Der tiefe Einschnitt im Stamm ist nicht zu übersehen.

Der tiefe Einschnitt im Stamm ist nicht zu übersehen.

Den Versuch, ihn zu fällen, hat der Baum überstanden, auch wenn er immer noch harzige Tränen weint. Viele kleine Zapfen am Boden zeugen von der noch vorhandenen Vitalität. Aber dass der schöne weite Blick so zugebaut wurde, ja nicht einmal eine Sichtachse frei gelassen wurde, macht doch traurig, denn so ein Baum war mal ein „Landmark“ und ist nun seiner Funktion beraubt Nur der Straßenname ist noch geblieben.

Der Rückweg

Unterhalb der Kiefer wird noch fleißig gebaut. Von der Straße „Bördeblick“ – der ja kaum mehr vorhanden ist – zweigt der Anemonenweg ab und führt auch wieder zurück. Die Häuser sind kurz vor der Fertigstellung. Die Gärten sind noch nicht angelegt, doch es ist zu befürchten, dass viele Steingärten dabei sind, denn Grauwacke- und Kieshaufen liegen schon da. Der Horizont ist nur noch an wenigen Stellen sichtbar.

Das Neubauviertel unterhalb des Schwarzen Baums

Das Neubauviertel unterhalb des Schwarzen Baums

Nur gaaanz weit hinten, zwischen den Häusern, erahnt man noch etwas Landschaft.

Nur gaaanz weit hinten, zwischen den Häusern, erahnt man noch etwas von der Landschaft.

Die Straße führt in großem Schwung bergab, Richtung Kommern. Bevor der ganze Hang zugebaut wird, kann man noch die letzten Felder mit ihren roten Böden sehen. Eine kurze Rast bietet sich an der Becherkapelle an. An der nächsten Bushaltestelle blicke ich nochmal zurück. Der Wipfel der Schwarzkiefer ragt ganz knapp hinter dem Haus in der Bildmitte hervor.

Die Becherkapelle zwischen Mechernich und Kommern

Die Becherkapelle zwischen Mechernich und Kommern

Diesen Weg bin ich gegangen.

Diesen Weg bin ich gegangen. Ganz in der Ferne grüßt die Schwarzkiefer.

Verkehrsführung am Kreisel

An dem Kreisel geht es links ab Richtung Kommern.

Vom Bus, der wochentags halbstündlich fährt, lasse ich mich bis nach Euskirchen fahren. Dabei suche ich die Landschaft nach passenden Fotomotiven ab und fotografiere aus dem Bus, was manche Reflexion im Bild erklärt. In Kommern erinnern der alte Mühlstein an einer Hofeinfahrt und auch der Kneipenname „Stollen“ an frühere Zeiten in der Nordeifel.

Neben einigen alten Häusern und Hofeingängen finden sich aber nicht so viele reizvolle Fotomotive. Wer ein neues Haus und Geld hat, kippt sich pflegeleichte Steine in den Vorgarten, die sich bei der Sommerhitze aufheizen und weiteren Pflanzenwuchs erschweren. Warum nur haben Leute mit Geld so wenig Geschmack, Gestaltungswillen oder Umweltbewusstsein?

 

Die Landstraße überquert die Autobahn.Was wie ein blauer Fluß in der Ferne aussieht, ist ein Rotkohlfeld.

In der Nähe von Euskirchen-Wißkirchen kann man noch bis zum Siebengebirge blicken.

Über die abgeernteten Felder schweift der Blick bis zum Siebengebirge

Über die abgeernteten Felder schweift der Blick bis zum Siebengebirge

Ob ich mit einem Fotokurs dieselbe Strecke wandern würde? Eher nein. Eine Übung Panoramafotos würde ich gerne in Nähe der Barbarakapelle veranstalten. Oder ich ginge in Richtung der tausendjährigen Eiche, die nordöstlich vom Zentrum wächst. Den Wildpark kurz vor Satzvey könnte ich auch einmal besuchen. Den östlich gelegenen Wald jenseits der Bahnlinie habe ich vor wenigen Jahren, als ich die Katzensteine besuchte, erkundet. Allerdings muss man, um dorthin zu kommen, zwei Kilometer durchs Industriegebiet wandern. Soweit meine Überlegungen. Vielleicht möchte jemand die Strecke nachwandern? Ich habe die Tour als Plan bei Komoot hinterlegt, allerdings von Umwegen und Rückwegen bereinigt. Über Rückmeldungen würde ich mich freuen.

Die Schwarzkiefer am Straßenrand

Der „Schwarze Baum“ von Mechernich ist eine Schwarzkiefer, Pinus Nigra