Welche Kamera ist die beste? – meine Kaufempfehlung

Wenn Sie mich nach einer Kaufempfehlung fragen, sage ich, die beste Kamera ist die, die gute Bilder liefert und die Sie gut bedienen können. Die Kamerawahl hat also eine objektive und subjektive Seite, deswegen fällt die Antwort immer anders aus. Doch ich helfe Ihnen gern bei dieser Entscheidung.

Zunächst einmal die sachlichen Argumente:

Firmennamen wie Nikon, Canon, Sony (bei Gebrauchten: Pentax, Olympus, Ricoh) finden sich immer wieder in den Bestenlisten und Testberichten, wie sie im Internet zu finden sind unter chip.de, fotomagazin.de, computerbild.de, dkamera.de, colorfoto.de, nur um einige informative Websites zu nennen. Entweder dort oder auf den Internetseiten der Hersteller finden sich Datenblätter, die Sie sich herunterladen sollten, wenn Sie zwei oder drei Modelle in die engere Wahl gezogen haben.

Meiner Meinung sollten folgende Dinge auf jeden Fall vorhanden sein:

Man sollte einen Filter aufs Objektiv schrauben und eine Gegenlichtblende anbringen können. (Sonst … ich werde noch ein Beispielfoto zeigen.)

Ein Blitzschuh sollte vorhanden sein, damit man auch indirekt blitzen kann und rote Augen bei Portraits vermeidet. Ein kleiner Blitz, der bei Bedarf aufklappt, ist dennoch nicht schlecht.

Das Herzstück der Kamera ist der Sensor, der die Lichtinformationen sammelt und nach der Aufnahme an die Speicherkarte weitergibt. Wenn dieser so groß ist wie bei einem Kleinbildfilm, also 36 x 24 mm, hat man eine Vollformatkamera (oder FX-Format). Je größer der Sensor, umso mehr Pixel enthält das Foto, und umso stärkere Vergrößerungen lassen sich vom Bild anfertigen. Profikameras sind meist Vollformatkameras.

Die meisten Spiegelreflexkameras und auch Bridgekameras haben Sensoren, die knapp halb so groß sind (APS-C oder DX-Sensor), bei den kleinen Sucherkameras ist der Sensor etwa ein Viertel davon oder noch kleiner. Entsprechend kleiner (und auch leichter!!!) sind diese Kameras. Spiegellosen Kameras fehlt das schwere Glasprisma, deshalb sind sie konstruktionsbedingt schon leichter. Es gilt also, einen guten Kompromiss zwischen guter Handhabung und technisch guten Bildern zu finden.

Sind Sie ein Familienmensch, der bei Geburtstagen, Kindergartenfeiern, im Sommerurlaub, beim Martinszug oder Familientreffen unterm Weihnachtsbaum die Kamera dabei hat und am Jahresende einen Kalender an Großeltern und Paten verschickt? Dann haben Sie vielleicht eine Bridge- oder Spiegelreflexkamera mit APS-C-Sensor ins Auge gefasst.

Planen Sie, großformatige Drucke von Ihren schönsten Landschafts- oder Architekturaufnahmen zu machen? Dann kommt es schon auf die Bildauflösung (viele Pixel) an, und Sie ziehen eine Vollformatkamera in Betracht.

Jetzt geht’s an die Feinheiten:

Programme: Für Autofokus und Belichtung gibt es hilfreiche Programme, einige wenige reichen, etwa: Portrait, Kinder/Sport, Landschaft, Standardprogramm mit und ohne Blitz. Und für die verschiedenen Lichtsituationen: Tag, Dämmerung, Kerzenlicht, Kunstlicht. Ich bin der Meinung, man sollte sich nicht das Heft aus der Hand nehmen lassen und durch „denkende“ Technik bevormunden lassen, deshalb sollte man die manuelle Einstellung immer möglich machen.

Es gibt auch Bildbearbeitungsprogramme in einigen Kameras. Eigentlich braucht man diese nur, wenn man die Bilder aufs Handy schicken und sofort in sozialen Medien teilen will. Dafür gibt es Kameras mit WLAN o.ä. Doch genauso gut funktioniert auch eine WiFi-Speicherkarte. (Wird heute kaum noch gebraucht,) Ich bevorzuge die nachträgliche Bildbearbeitung am Computer (mit Lightroom, Photoshop oder GIMP), deswegen ist die Abspeichermöglichkeit als RAW-Datei für mich wichtiger als die Bildbearbeitung in der Kamera.

Extras: Wenn Sie viel unterwegs sind, möchten Sie vielleicht Ihre Bilder gleich mit den passenden GPS-Daten versehen. Auch das ist bei einigen Kameras möglich.

Sehen Sie sich die Informationen der Hersteller an, was Sie brauchen und auf was Sie verzichten könnem. Und jetzt kommt etwas Mühe auf Sie zu, die sich aber lohnt, weil Sie nichts Wichtiges vergessen werden: Sie legen eine Excel-Tabelle an und tragen in der 1. Spalte untereinander ein, was Sie vergleichen wollen: Name der Kamera, Sensorgröße, Blitzschuh, Stativgewinde, Kabelauslöser, mögliche Programme, Belichtungsreihen, Videofunktion, Gewicht, ….. zum Schluß den Preis.

In die folgenden Spalten tragen Sie die Eigenschaften der Kameras ein, die Sie miteinander vergleichen wollen. Es gibt auch im Internet ähnliche Vergleichsmöglichkeiten, die haben manchmal zu wenig oder zu viele Daten.

So habe ich es vor gut 35Jahren gemacht, als ich mir die erste selbstgekaufte Kamera, eine Contax 159mm, zugelegt habe – unsere Beziehung dauerte 25 Jahre. Dann kamen die Digitalen – aber ich habe sie immer noch, für alle Fälle. (ich denke, da werde ich noch ein Beispiel zum Herunterladen anbieten…aber etwas später, bitte Geduld.)

Die Entscheidung naht!

Gute Entscheidungen sind die, die mit Herz und Verstand getroffen werden. Haben Sie zwei oder drei Kameras, die alle Wünsche erfüllen, dann gehen Sie in ein Fachgeschäft. Nehmen Sie die Kamera in die Hand! Die Hände sind unterschiedlich groß, was für den Einen handlich ist, ist für Zierliche vielleicht zu klobig.

Können Sie aus verschiedenen Blickrichtungen und bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen das Display gut erkennen oder kommen Sie mit einem Sucher besser zurecht?

Wie ist das Auslösegeräusch? Leise und sanft oder erschreckend laut?

Und wenn mehrere Kameras gut sind, dann nehmen Sie die mit dem Gehäuse in rot-metallic, wenn Ihnen die so gut gefällt.

Der Preis ist auch in Ordnung? Bei idealo.de kann man nicht nur Preise vergleichen, sondern auch über einen Zeitraum hinweg die Preisentwicklung beobachten. Manchmal liegt das Angebot eines Fachgeschäftes vor Ort gar nicht so weit vom Internetangebot entfernt. Und mehr als einmal habe ich die Erfahrung gemacht, dass noch ein kleiner Rabatt drin ist, wenn der Inhaber persönlich verkauft und man noch Zubehör wie den Reserveakku oder Filter als Objektivschutz gleich mitkauft.

Möchten Sie eine gebrauchte Kamera kaufen?

Auch die gibt es in manchen Fachgeschäften, und sie sind vorher geprüft und entstaubt worden. Machen Sie Probeaufnahmen und schauen Sie nachher auf dem Computerbildschirm in der Vergrößerung, ob der Sensor Fehler hat. Sehen Sie sich auch die Exif-Daten an mit geeigneten Programmen. Mein Beispiel-Bild habe ich vor Jahren mit Picasa gemacht, aber es gibt jetzt neuere Programme, die solche Informationen liefern. Ziemlich unten in der Spalte mit den Exif-Daten sehen Sie die Seriennummer der Kamera. Sie können im Internet nachsehen, ob sie beim Hersteller registriert ist und nicht etwa als gestohlen gemeldet ist. Die Mitarbeiter von guten Fachgeschäften können (in den ruhigeren Öffnungszeiten, bitte) auch dort weiterhelfen, falls Sie sich noch nicht so mit der Verarbeitung von Bilddateien beschäftigt haben.

Screenshot Exif

Screenshot: Ausschnitt der Exif-Daten

Sind bald Reparaturen zu erwarten?

Für Profikameras rechnet man mit einer statistischen Lebensdauer von etwa 400 000 Auslösevorgängen und etwa 100 000 bei Spiegelreflexkameras mittlerer Preislage – abhängig sicherlich auch von der pfleglichen Behandlung. 

[Dieser Abschnitt stammt vom März 2017, ich lasse ihn aber so stehen: In den dreieinhalb Jahren, in denen ich die Nikon D5200 besitze, hat die Kamera 72927 mal ausgelöst. Wenn ich hochrechne, könnte im Spätsommer 2018 die 100 000. Aufnahme stattfinden. Spätestens dann sollte die Kamera in einer Fachwerkstatt überprüft und gereinigt werden, damit sie noch länger störungsfrei funktioniert. Auf dem gezeigten Screenshot sehen Sie die Seriennummer meiner Kamera, nämlich 4337660.] Aktualisierung: Die benannte Nikon d5200 beendete ihre aktive Zeit im April 2019, als ich in Hamburg war und ganz plötzlich eine Auslösesperre kurz vor der 90000. Belichtung auftrat. Nichts mehr zu machen! Ich hatte mir aber kurz vorher eine Nikon d5300 kauft und diese auch mitgenommen. Mit dem Ausfall hatte ich gerechnet, weil die 5200 einen Sturz zwar überlebt und nur das Objektiv Schaden genommen hatte. Mein Misstrauen war also berechtigt gewesen……

Viel Glück beim Kamerakauf! Gerade wenn Sie eine gebrauchte Kamera kaufen wollen, empfehle ich einen guten Draht zum örtlichen Fotohändler. Große Läden pflegen ihre Newsletter-Mailings mit Angeboten für Stammkunden. Und wenn Sie endlich das gute Stück in Händen haben, nehmen Sie in den ersten Wochen die Kurzanleitung immer mit (die kann man auch auf dem Handy als pdf abspeichern) – oder lassen Sie sich von einer erfahrenen Fotografin noch einige Kniffe zeigen. Bei meinen Fotospaziergängen zwischen Eifel und Bergischem Land, im Naturschutzgebiet oder in der Stadt, in Köln, Bonn oder Düsseldorf können Sie ‚Learning by Doing‘ den Umgang mit der neuen Kamera einüben. Spezielle Themen wie Bildgestaltung, Stativaufnahmen, HDR, Panoramaaufnahmen oder Kinderportraits können Sie auch gerne mit mir absprechen.

Bis bald!